Fukushima mahnt – alle AKWs abschalten!

120.000 Demonstranten sammeln sich am Potsdamer Platz

Wer in Berlin zur Anti-Atom-Demo will, muss früh aufstehen, so wie die grüne Reisegruppe aus Thüringen, am 26. März. Bereits gegen 6 Uhr trafen sich am Erfurter Busbahnhof einige der Demonstranten. Mit dem Bus fuhren wir von Eisenach über Erfurt, Weimar, Jena und Gera nach Berlin.

Demonstrationszug vor der gut gesicherten CDU-Zentrale

In der Hauptstadt angekommen, begaben wir uns zum Startpunkt der Demo, dem Potsdamer Platz, der völlig überfüllt war. Pünktlich setzte sich der bunte Demonstrationszug in Bewegung. Am Bundesverteidigungs-ministerium vorbei zogen wir Richtung Siegessäule, in deren Nähe, auf der Straße des 17. Juni, die Abschlusskundgebung stattfand. Auf dem Weg dorthin passierten wir die gut bewachte CDU-Pateizentrale. Mit Hamburger Gittern, Mannschaftswagen und etlichen Polizisten wurde eine Neugestaltung der Glasfassade des Konrad-Adenauer-Hauses verhindert.

Höhepunkt sind die Kundgebungen an der Siegessäule
Um 14:15 Uhr fand eine Schweigeminute statt, um sich mit den Opfern der Atomkatastrophe und des Erdbebens zu solidarisieren und ihnen zu gedenken. Anschließend gab es Redebeiträge, unter anderem von DGB-Chef Sommer und vom Journalisten Franz Alt. Neben musikalischen Einlagen von „Wir sind Helden“ luden auch die vor Ort aufgebauten Stände der Umweltverbände, Parteien, Ökostromanbieter und Imbissbudenbetreiber zum Bleiben ein.
Nach Ansicht einiger Thüringer Demonstranten: Eine Fünf-Sterne-Demo, viel besser ging es nicht!

Einfach mal abschalten

Eine gute Demo fängt schon am Vortag mit Transparent-Basteln an. Daher wurde am Freitagnachmittag in der Landesgeschäftsstelle der Grünen ein „revolutionäres“ Plakat angefertigt.

GJler aus Südthüringen und Erfurt vor dem Bundestag

Samstagmorgen, 6:45 Uhr, bewaffnet mit Transparent, Megafon und Gitarre, trafen sich die drei eifrigen Erfurter Demonstranten aus der GJ auf dem Willy-Brandt-Platz, u.a. mit Landessprecherin Madeleine Henfling und zwei Mitstreiter der GJ-Südthüringen. Schon im ersten Zug (allesamt Regionalbahnen) wurde klar, dass wir nicht die einzigen aus Erfurt waren, die in Berlin das Regierungsviertel umzingeln wollten. Im zweiten Zug sangen wir bereits vereint mit anderen Demonstranten von überall her lautstark „Kampfeslieder“ von den Ärzten und Anderen. So eine gute Stimmung hätten wir im ICE sicher nicht gehabt.
Im Berliner Hauptbahnhof angekommen, war der Trubel groß. Wir stimmten Sprechchöre an: „Revolution! Revolution! Atomstrom ist keine Revolution! …“ In dem Bewusstsein, dass wir für die gute Sache kämpfen, ging es nach draußen, wo sich immer mehr Menschen sammelten. The Bots, eine alte Anti-AKW-Band, spielte vor dem Start des Demozuges und heizte uns für den heißen Herbst ein.
Der Demozug ging nur langsam los, weil so viele Leute gekommen waren. Die Gruppe der GJE und GJ-Südthüringen zog mit dem GRÜNEN Lauti-Wagen los. Bei der FDP-Zentrale entlud sich der Unmut der Demonstranten: „Vier Komma Neun Prozent! Nie mehr ins Parlament!“ … war lautstark zu hören. Rund um das Regierungsviertel waren bereits so viele Menschen aufgestellt, dass es kein Durchkommen, bis zum geplanten Umzingelungskreis, mehr gab und die Sitzblockade kurzerhand von uns auf Ort und Stelle durchgeführt wurde.
Es waren weit über 100.000 Demonstranten versammelt so dass die Polizei letztlich doch die Wiese vor dem Reichstagsgebäude freigeben musste. So kamen wir schlussendlich bis auf die Treppen des Reichstagsgebäudes, um das Plakat zu präsentieren und in Sprechchöre einzustimmen.
Als wir den Heimweg antraten, waren wir stolz darauf, Teil einer so großen Sache gewesen zu sein.

Auf Bildungsreise durch Berlin

Drei Tage ging es für grüne Neumitglieder aus Mittelthüringen ins politische Berlin. Mit im voll besetzten Bus, die Grüne Jugend Erfurt. Eingeladen waren wir von der bündnisgrünen Abgeordneten Katrin Göring-Eckardt, die bereits seit 12 Jahren die Thüringerinnen und Thüringer im Bundestag vertritt. Das Bundespresseamt organisierte uns Essen, Unterkunft und drei dicht gepackte Tagesausflüge.
Am Montag hatten wir Gelegenheit uns vor Ort über die Arbeit des Bundesrates zu Informieren und einmal die Plätze der Thüringer Landesregierung in Berlin zu inspizieren. Direkt im Anschluss gab es eine entspannte Sightseeingtour, die uns mit dem Bus vom Checkpoint Charlie bis zur East Side Gallery am Spreeufer führte. Am Abend tauschten wir die gewohnten Altstadtkneipen gegen Kiez und Tacheles.

In den kommenden Tagen hatten wir die Gelegenheit Referenten des Verkehrsministeriums zu ihrer Arbeit auszufragen, uns vom jüdischen geprägtem Lebens Spandaus in der Neuen Synagoge (Judaicum) berichten zu lassen und die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers in Sachsenhausen zu besuchen.

Höhepunkt und Abschluss unserer Tour war zweifellos unser Treffen mit Katrin im Paul-Löbe-Haus. Katrin zeigt uns die verschlungenen Gänge unter dem Regierungsviertel, den Sitzungssaal der Bundestagsfraktion im südwestlichen Turm des Reichstagsgebäudes und berichtete aus einer mit Terminen überladenen Sitzungswoche im politischen Berlin.