Geschlechtsneutrale Toiletten auch in den vorhandenen Gebäuden – Stellungnahme zur aktuellen Lage

Bereits im Mai 2018 hatten wir uns als Hochschulgruppe CampusGrün in einem offenen Brief an ausgewählte Mitglieder des Präsidiums der Universität Erfurt gewendet. Darin forderten wir neben den bestehenden geschlechtergetrennten Toiletten die Schaffung geschlechtsneutraler Toiletten in den Gebäuden des Campus – insbesondere bei Neubauten –, um die Situation von inter- und trans Personen an der Hochschule zu verbessern. (Der komplette Brief kann hier nachgelesen werden: https://erfurt.gj-thueringen.de/2018/05/22/offener-brief-von-camupsgruen-geschlechtsneutrale-toiletten-auf-dem-campus-der-universitaet-erfurt/)
In der Zwischenzeit haben sich mit der Amnesty Hochschulgruppe, QueErfurt und Solid SDS weitere Hochschulgruppen dazu entschlossen, unser Anliegen zu unterstützen. Auch der Studierendenrat der Universität Erfurt äußerte sich positiv und sprach sich für eine Einführung des auch von uns geforderten dreigeteilten Modells aus. Auch fordert er von verantwortlichen Stellen ein verbindliches Versprechen, bei zukünftigen Neubauten geschlechtsneutrale Toiletten mit einzuplanen.
Vom Präsidenten der Universität Erfurt – Herr Bauer-Wabnegg – erhielten wir per Mail eine Antwort auf unseren Brief. Eine öffentliche Äußerung der Hochschule zu der Thematik hingegen blieb aus, weshalb wir hier Bezug auf die an uns gerichtete Email nehmen werden.
Hierin wurden wir auf die Existenz der barrierefreien Toiletten verwiesen, die auch von Personen, die sich mit den anderen bestehenden Toiletten bisher nicht sicher fühlen, mitbenutzt werden können. Dies wurde jedoch unserer Kenntnis nach nur an uns kommuniziert und die daran vorhandenen Schilder drücken bisher lediglich aus, dass es sich dabei um Toiletten für Menschen mit Behinderung handelt. Eine (trans oder inter) Person ohne sichtbare körperliche Beeinträchtigungen wäre auch hier Fragen ausgesetzt, was sie zur Nutzung dieser Toilette veranlasse. Hier wäre also ebenfalls eine Umwidmung durch entsprechende Schilder erforderlich, die mit gleichem Aufwand auch an einem der größeren Toilettenräume durchgeführt werden könnte. Es handelt sich dabei, um einen Aufwand, der auch trotz des vorhandenen Sanierungsbedarfs an der Universität Erfurt, auf den wir in der Mail verwiesen wurden, realisierbar ist. Es ist hierfür kein Umbau oder Neubau erforderlich, lediglich das Schild an der Tür müsste ausgetauscht werden.
Wir wurden weiterhin darauf verwiesen, dass der Universität keine Zahlen dafür vorliegen, wie hoch der Bedarf an geschlechtsneutralen Toiletten sei. Ein Erheben solcher Zahlen halten wir für nicht zielführend. Zum einen kann eine geschlechtsneutrale Toilette ohnehin von allen Menschen benutzt werden. Zum anderen findet an einer Universität ein ständiger Wechsel der Studierenden statt, die Schaffung solcher Toiletten hingegen ist eine dauerhafte Änderung. Sie schafft auch für zukünftige Studierende – deren Geschlechter wohl kaum vorhersehbar sind – von Beginn an ein akzeptierenderes Klima.
Aus diesen Gründen schließen wir uns dem Studierendenrat an und fordern die Universitätsleitung auf, ein verbindliches Versprechen abzugeben, bei zukünftigen Gebäuden von Beginn an geschlechtsneutrale Toiletten mit einzuplanen. Des Weiteren fordern wir nachdrücklich, in den vorhandenen Gebäuden an einer Toilette pro Lehrgebäude die Beschilderung auszutauschen, um so geschlechtsneutrale Toiletten zu schaffen.

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