Gestern, am 31. März, war <<Transgender Day of Visibility>>. Am diesem Tag machen wir darauf aufmerksam,
dass Sichtbarkeit für trans Personen, also Menschen, deren Geschlecht nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde, oftmals nicht gegeben ist.
Im Alltag und in der Politik sind wir auf verschiedene Weise oftmals unsichtbar.
Viele von uns können in Beruf, Familie und sonstigem sozialen Umfeld nicht offen mit ihrem Geschlecht
umgehen, ohne dass sie Ausgrenzung oder Gewalt zu befürchten haben. Man sieht uns das trans sein nicht
immer an. Das bringt cis Menschen – also Menschen, deren Geschlecht mit dem Geschlecht übereinstimmt,
das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde – häufig zu der Annahme, in ihrem Umfeld, ob Arbeit, Schule,
Universität oder sonstiges, gäbe es keine trans Menschen. Doch das stimmt nicht immer. Wir sind mehr,
als ihr denkt, doch oft sind wir nicht sichtbar.
Viele sind darüber hinaus unsichtbar, weil sie weder Mann noch Frau sind (= nicht binär), in einer Gesellschaft,
die bei Geschlecht zunächst eben an diese beiden Geschlechter denkt. Nicht binäre Menschen
sind unsichtbar, wenn Quoten gefordert werden, die Vorstände, Gremien und Redelisten paritätisch in
Männer und Frauen aufteilen möchten. Sie sind unsichtbar in Anreden wie <<sehr geehrte Damen und
Herren>>. Es gibt mehr als zwei Geschlechter und es gibt mehr als drei Geschlechter. Sichtbar sind jedoch
meistens nur Männer und Frauen und von denen häufig nur die, die cis sind.
Wir sind unsichtbar in deutschen Parlamenten, wo auer der bayrischen Landtagsabgeordneten Tessa
Ganserer nur cis Personen vertreten sind. Unsichtbar in Parlamenten sein bedeutet, auch bei Gesetzgebungen
oftmals nicht mitgedacht zu werden. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass das sogenannte
<<Transsexuellengesetz >>(TSG) nach wie vor in Kraft ist. Es ist ein Flickenteppich aus längst
überholten, entwürdigenden Maßnahmen, die teilweise bereits vom Bundesverfassungsgericht als nicht mit
dem Grundgesetz vereinbar erklärt wurden und deswegen nicht mehr zur Anwendung kommen dürfen,
wie Zwangs-OPs und Zwangssterilisierung. Doch auch die Punkte, die noch zur Anwendung kommen, wie
die Gutachtenp icht bei Vornamens- und Personenstandsänderung, sind längst nicht mehr zeitgemäß und
kosten die Betroffenen viel Zeit, Geld und Nerven. Dennoch gibt es keine ernsthaften Versuche, das TSG
endlich abzuschaffen und durch ein neues, modernes Personenstands- und Vornamensrecht zu ersetzen.
Auch bei dem neuen Gesetz zur dritten Option beim Geschlechtseintrag wurden durch den Bundestag
nur intersexuelle Menschen gemeint, nicht aber trans Personen. In den Parlamenten nicht sichbar zu sein
bedeutet für uns häufi g konkrete Einschränkungen im Alltag.
Mit diesen Einschränkungen umzugehen bedeutet tagtäglich Kämpfen, und auch diese und andere Kämpfe
sind für auenstehende unsichtbar. Zu den weiteren Kämpfen zählen Outings, bürokratische Hürden und
sich ständig und überall erklären zu müssen. Die Kämpfe rauben oftmals Kraft, doch wachsen wir auch
daran.
Wir haben schon einiges geschafft, aber es gibt noch viel zu tun, um mehr Sichtbarkeit zu schaffen, mehr
gesellschaftliche Akzeptanz und eine bessere, progressivere und verfassungskonforme Gesetzgebung, die
eine selbstbestimmte Änderung von Vornamen und Geschlechtseintrag ermöglicht.
Hierfür brauchen wir auch die Unterstützung von cis Personen. Informiert euch über die Situation von
trans Personen. Hört uns zu. Googelt. Denkt uns mit, wenn ihr mit Menschen redet, über Menschen
redet, Gesetze macht. Sorgt für Sichtbarkeit aller Geschlechter. Für eine Gesellschaft, in der wir alle frei
leben können.