Liebe Studierende der Uni Erfurt!

 

Im letzen Semester haben wir uns mit einem Anliegen an die Hochschulleitung gewendet, welches uns alle betrifft. Deswegen wenden wir uns heute an euch und bitten darum, unsere Argumente zu lesen, denn es geht um ein Thema, über das im Alltag leider viel zu wenige Informationen vermittelt werden.

 

Unsere Forderung ist ebenso klar wie einfach:

 

Wir fordern die Hochschulleitung auf, in den Lehrgebäuden jeweils eine der bestehenden Toiletten durch

eine neue Beschilderung in eine geschlechtsneutrale Toilette umzuwandeln — eine Toilette, die dann von uns allen, unabhängig vom Geschlecht, benutzt werden kann. In Gebäuden, die zukünftig gebaut werden, soll eine solche geschlechtsneutrale Toilette von Beginn an mit eingeplant werden.

 

Warum fordern wir das?

 

In unserer Gesellschaft und ebenso an unserer Universität leben, arbeiten und lernen Menschen, die in ihrem Alltag durch die bisherige Toilettenlösung mit der binären Aufteilung in „männlich“ – „weiblich“ auf Probleme stoßen. Das können inter Personen sein, also Personen, die aufgrund der Geschlechtsmerkmale bei Geburt nicht eindeutig einem der beiden genannten Geschlechter zugeordnet werden können, und für die das Bundesverfassungsgericht kürzlich durchgesetzt hat, dass es für sie jenseits von männlich und weiblich einen dritten offiziellen Geschlechtseintrag geben muss.

Das können nicht binäre trans Personen sein, also Menschen, die bei der Geburt zwar einem dieser Geschlechter zugeordnet wurden, aber dennoch weder Mann noch Frau sind.

Und das können außerdem binäre trans Personen sein, also beispielsweise Frauen, denen jedoch bei Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, oder umgekehrt.

Die genannten Menschen stehen oftmals vor dem Problem, dass sie nicht immer optisch von anderen dem Geschlecht zugeordnet werden, welchem sie angehören, dass sie teilweise auch nicht unbedingt wissen, wer sie gerade welchem Geschlecht zuordnet. Für diese Menschen besteht bei der bisherigen Toilettenaufteilung das Problem, dass egal für welche sie sich entscheiden, andere Menschen zu der Auffassung gelangen könnten, sie seien in der „falschen“ Toilette. Die folgen können von unangenehmen Fragen, über Beschinpfungen bis hin zu physischer Gewalt reichen. Die Angst hiervor setzt betroffene Menschen unter Druck. Sie fühlen sich unwohl, eine dieser Toiletten zu benutzen, oder versuchen den Toilettengang an der Hochschule gänzlich zu vermeiden.

 

Wir sagen: Unsere Hochschule soll ein Ort sein, an dem sich ALLE wohlfühlen. Dazu gehört auch, dass alle Menschen sich hier entspannt aufhalten und im Zweifel auch ohne Angst eine Toilette aufsuchen können sollen. 

 

Was ist bisher passiert?

 

Die Grüne Jugend hatte sich vergangenes Semester in einem offenen Brief an die Hochschulleitung gewendet. Die Hochschulgruppen Amnesty, SDS solid und QeErfurt haben sich den darin enthaltenen Forderungen angeschlossen, auch der StuRa hat eine in die gleiche Richtung gehende Positionierung herausgegeben.

Die Hochschulleitung hat uns inzwischen  zumindest die barrierearmen Toiletten umzubeschildert.  Diesen Schritt begrüßen wir, halten ihn jedoch nicht für die optimale Lösung. Es mindert das Problem zwar ein wenig, unsere Forderung bleibt jedoch eine Toilette, die alle nutzen können, du und ich, cis und trans*, inter*, Mann  und Frau und nicht binäre Menschen. Hierfür liefern die barrierearmen Toiletten leider nicht die räumlichen Kapazitäten, da sie jeweils nur von einer Person zeitgleich vewendet werden können.

 

Was würde sich durch unsere Forderung konkret für euch ändern, wenn ihr bisher keine Probleme mit der Toilettenaufteilung hattet?

 

Wenn ihr nichtwollt, nichts. Es sollen weiter „Herren-“ und „Damen“-Toiletten auf dem Campus fortbestehen, die weiterhin von allen, die sich den jeweiligen Geschlechtern zugehörig fühlen, verwendet werden können.

Zusätzlich hierzu soll es dann noch eine weitere Toilette geben, die ihr auch benutzen könnt, wenn ihr das möchtet (und wenn es gerade die ist, an der ihr am nächsten dran seid ;)) Mit mehreren Kabinen. Eigentlich läuft alles wie bisher, nur dass niemand nach eurem Geschlecht fragt.

 

Für euch mag das also alles keinen Unterschied machen. Für andere aber schon. Deswegen bitten wir euch darum, unser Vorhaben zu unterstützen.

Flugblatt_geschlechtsneutrale Toiletten