Am Mittwoch dem 17.05.2017 lud die GRÜNE JUGEND Erfurt zu einem Fotovortrag von Erik Marquardt mit dem Titel „Afghanistan – Hoffnung – Flucht – Vertreibung“ ein.

Erik Marquardt ist Fotograf und Politiker bei Bündnis 90/Die Grünen. Bis November 2015 war er Bundessprecher der Grünen Jugend und seit November 2015 ist er Mitglied im Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen.

Das Ziel dieser Veranstaltung war es, auf die Situation in einem von der Regierung als „sicher“ eingestuftes Land aufmerksam zu machen. Dabei ging es aber nicht nur um Afghanistan, sondern auch um die Fluchtroute von der Türkei über Griechenland und weiter über den Balkan. Höhepunkt der Veranstaltung waren die eindrucksvollen Fotos, die Erik vor Ort schoss.

Gleich zu Beginn wies Erik uns darauf hin, dass von den vielen Millionen Flüchtlingen aus dem Großraum Afghanistan gerade mal 5 % den Weg nach Europa auf sich genommen haben. Die meisten Menschen sind in die angrenzenden Länder Pakistan oder Iran geflohen. Davon leben viele teilweise schon seit mehreren Jahrzenten dort, da Afghanistan seit nunmehr knapp 40 Jahren durch bewaffnete Konflikte zerrüttet ist.

Erik zeigte uns Bilder aus der türkisch-griechischen Grenzregion, die einem ein Gefühl davon vermittelten, wie skrupellos die dortigen Schlepperbanden agieren und in welche Gefahren sich die Menschen vor Ort begeben. Anschließend berichtete er uns von seinen Reisevorbereitungen, Reisewarnungen, die vom Auswertigen Amt für Afghanistan herausgegeben wurden und ersten Erfahrungen in Afghanistan. Angekommen in Kabul zeigte er uns, wie militarisiert die Hauptstadt ist. Gepanzerte Fahrzeuge mit Geschützen und alle „wichtigen“ Gebäude gesäumt durch Wachtürme mit Geschütze, hohen Mauern und Zäunen. Alle ausländischen Mitarbeiter von Regierungsbehörden und NGO´s werden prinzipiell per Hubschraube transportiert, da eine Autofahrt als zu unsicher eingestuft wird. Anschläge sind an der Tagesordnung. Erik zeigt einige schöne Plätze und Gebäude, die nach seiner Reise leider das Ziel von Selbstmordattentätern und Sprengsätzen waren und viele zivile Opfer forderten.

Die Stadt Kabul hat in den letzten Jahren stark mit einem Bevölkerungswachstum zu kämpfen. Dies führt zu Wohnungsnot, hohe Mieten, Platzmangel und hoher Arbeitslosigkeit. Sehr viele Menschen (Schätzungen sprechen von ca. 10 % der Bevölkerung) sind Opiumabhängig, welches in Afghanistan noch immer in großen Maßen angebaut wird. Ebenfalls ist die Kinderarbeit erschreckend hoch. Aber Kabul zeigt sich auch hoffnungsvoll. Die Mauern der Stadt zieren viele Street Art Kunstwerke, außerdem ist die Zahl der Kinder, die zur Schule gehen gestiegen, was vor allem an der Tatsache liegt, dass nun auch Mädchen diese besuchen dürfen.

Erik besuchte ebenfalls zwei Flüchtlingslager in Kabul und Masar-e Sharif. In beiden ist die medizinische Versorgung sehr schlecht und es mangelt an Nahrungsmitteln, jedoch sind die Menschen trotz ihrer unglaublichen Entbehrungen extrem freundlich und voller Hoffnung.

Zum Abschluss machte Erik noch einmal deutlich, dass eine Unterscheidung von Menschen auf der Flucht in verschiedene Kategorien (Kriegs- bzw. Wirtschaftsflüchtlinge) eine sehr sinnlose Sache ist, da damit nie die individuellen Schicksale betrachtet werden können, die mit diesen Menschen einhergehen. Zudem wurde die Wortwahl deutscher Politiker stark kritisiert, da es sich immer um Menschen handelt und nicht um Naturkatastrophen (Flüchtlingswelle, -Lawinen oder -Flut).

Zum Ende des Abends diskutierten wir über einzelne Tatbestände und Erik beantwortete uns unsere Fragen. Fazit des Abends ist, wovon wir auch vorher bereits ausgegangen sind, Afghanistan ist KEIN sicheres Land!