Am Montag den 09.01.2017 lud die Grüne Jugend Erfurt zum politischen Dialog in kleiner Runde zum geplanten Moscheebau der Ahmadiyya Gemeinde in Erfurt-Marbach. Als Gesprächspartner waren der Sprecher der Ahmadiyya Gemeinde Erfurt, Suleman Malik und die Landtagsabgeordnete und Stadträtin von Bündnis ‘90/Die Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, eingeladen.

Im ersten Teil der Veranstaltung stellten die beiden Gäste den aktuellen Stand der Planung der Moschee dar und gingen auch auf die aktuelle gesellschaftliche Diskussion ein.

Die Ahmadiyya Gemeinde bemüht sich seit Sommer 2016 um den Bau einer Moschee in Erfurt, die als kultureller und religiöser Begegnungsort in ganz Thüringen fungieren soll. Geplant ist der Bau einer kleinen Moschee mit Zierminarett, Parkplätzen sowie einen dazugehörigen öffentlichen Platz, der beispielsweise als Spielplatz für die gesamte Bevölkerung genutzt werden soll. Ein Grundstück wurde dafür in Erfurt-Marbach gefunden. Finanziert wird der Bau allein durch Spenden ihrer Mitglieder in Deutschland. Leider hat sich seit der Veröffentlichung der ersten Bauvoranfrage die Stimmung in Marbach sowie thüringenweit zum bevorstehenden Moscheebau verschlechtert. Neben der AfD gibt es auch andere Gruppierungen wie „Bürger für Erfurt“, die Stimmung gegen den Moscheebau in Erfurt machen, berichtete Astrid Rothe-Beinlich, die selbst in Marbach lebt und so die Stimmung direkt vor Ort miterleben konnte. Moscheegegner starteten eine Petition gegen den Moscheebau und sammelten so viele Unterschriften, dass diesbezüglich am 24.01.17 im Thüringer Landtag eine Anhörung stattfindet.

Suleman Malik stand uns Rede und Antwort und beantwortete Fragen zum Thema des Moscheebaus. Er berichtete von persönlichen Drohungen in sozialen Netzwerken, aber auch von der vielen Unterstützung für den Moscheebau seitens der Stadt, Verbänden und Organisationen, er sei sehr zuversichtlich, dass bald der offizielle Bauantrag gestellt werden könnte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es darum, die Ahmadiyya Gemeinschaft etwas näher kennenzulernen. Herr Malik ging kurz auf die Geschichte und den Unterschied zwischen der Ahmadiyya Gemeinschaft und anderen islamischen Verbänden ein. In der anschließenden Diskussion wurden dann auch Themen wie die Stellung der Frau in der Gemeinschaft, dem Umgang mit Homosexuellen und anderen gesellschaftliche Fragen behandelt.

Die Ahmadiyya Gemeinde ist eine von über 70 unterschiedlichen Gruppierungen des Islams und zählt zu einer Reformbewegung, weshalb viele Muslime die Ahmadiyya-Lehre nicht anerkennen und Mitglieder dieser Gemeinde in einigen islamischen Ländern verfolgt werden. Sie ist eine rein religiöse Gemeinde und ist strikt für die Trennung von Religion und Staat. Sie setzt sich zudem stark gegen Terror in Namen der Religion und für die Flüchtlingsarbeit in Deutschland ein. Sie sehen sich als wertkonservative Gemeinschaft, jedoch ist die Ahmadiyya Gemeinde im Vergleich zu anderen Gruppierungen des Isams als gesellschaftlich liberal einzuordnen.

Fazit des interessanten Abends: Ein Moscheebau in Erfurt würde ein Zeichen setzen für eine weltoffene und bunte Stadt und darüber hinaus.