Flyer SommerkinoUnsere Ernährung ist eine Katastrophe für Mensch und Natur! So waren die Eindrücke nach den ersten Minuten beim gemeinsamen Sommerkino der Hochschulgruppe AG Nachhaltigkeit und der Grünen Jugend Erfurt. Beim schlechten Gewissen sollte es aber nicht bleiben. Mit dem Schwerpunktthema Ernährung wollten wir nicht nur die Folgen einer immer mehr auf tierische Produkte konzentrierten Ernährung zeigen, sondern auch nach Lösungen suchen, die jeder sofort selbst in seinem Alltag angehen kann.

Begonnen haben wir unser Sommerkino am 2. Juli mit dem Film „Raising Resistance“, der uns eindrucksvoll zeigte, wie riesige Soja-Monokulturen in Lateinamerika nicht nur die Umwelt belasten, sondern auch gesellschaftliche Strukturen zerstören und zur Verarmung und Abhängigkeit der Landbevölkerung führen. Der Soja-Anbau wächst rasant. Das liegt jedoch nicht an der steigenden Anzahl von Menschen, die gerne Soja-Produkte gegen Steak und Bratwurst tauschen. Das Gegenteil ist der Fall. Der globale Fleischkonsum wächst und damit auch der Bedarf an massenhaft produziertem Tierfutter. So landen heute 98% der Soja-Ernte im Trog von Schwein und Rind. Nicht genug, dass man mit den Pflanzen weit mehr Menschen hätte ernähren können, wenn man sie direkt verzehrt hätte: Die Pflanzen sind meist genmanipuliert und lassen sich nur unter dem großflächigen Einsatz von starken Pestiziden anbauen.

194918_webDass es auch anders geht, zeigte die anschließende Diskussion mit unserem Referenten Thomas Penndorf vom „LebensGut Cobstädt“ und den über 40 Teilnehmenden an diesem Abend. Das LebensGut ist weit mehr als nur eine Agrargemeinschaft. Hier sammeln und erhalten Thomas und seine Freunde hunderte von alten Obstsamen und halten eine Vielzahl von Tierarten unter artgerechten Bedingungen, um sich selbst und BesucherInnen etwa mit Käse und Honig zu versorgen. Großen Wert legt das LebensGut darauf, junge Menschen wieder an Tier und Natur heranzuführen und den Prozess der Lebensmittelerzeugung und der selbstständigen, regionalen Versorgung aufzuzeigen.

In der zweiten Hälfte unseres Sommerkinos am Abend des 9. Juli sollte der Schwerpunkt bei den Fischen liegen. Im Dokumentarfilm „Sushi – The Global Catch“ wurde gezeigt, wie die Herstellung des Sushis einst eine aufwendige und kunstvolle Angelegenheit war, die in Japan seit Jahrhunderten gepflegt wurde. Seit einigen Jahren hat Sushi sich jedoch von einer typisch japanischen Delikatesse zu einem preiswerten Snack auf der ganzen Welt entwickelt. Mit fatalen Folgen für die Ozeane. Der Thunfisch und andere beliebte Speisefische werden wohl, aufgrund von industrialisiertem Fischfang und laschen Fangquoten, in wenigen Jahren aus den Ozeanen verschwunden sein.

Wenngleich der Film schwerwiegende Probleme der Sushi-Industrie offenlegte und thematisierte, wurde er von vielen der Teilnehmenden als zu unkritisch befunden.

Auch um die Thüringer Gewässer ist es nicht gut bestellt. Dies berichtete uns anschließend unser Referent Stephan Gunkel vom Erfurter Flussbüro und BUND Thüringen. So entspricht beispielsweise der Fischreichtum der Gera lediglich in ihrem Oberlauf noch der ursprünglich in ihr vorhandenen Artenvielfalt.

Im Anschluss an den Vortrag wurde von den Teilnehmenden eine lebhafte Diskussion darüber geführt, welchen Beitrag der/die Einzelne für eine nachhaltigere Entwicklung in Hinblick auf die Ernährung leisten kann, und ob es überhaupt möglich ist, den im Film dargestellten Problemen noch rechtzeitig entgegenzuwirken.

Hier noch einmal die wichtigsten praktischen Hinweise für eine bessere Ernährung, die aus unseren Diskussionen hervorgingen:

  • Verzehr von Fisch und Fleisch beschränken.
  • Nicht nur auf Bio-Lebensmittel achten, sondern an erster Stelle Produkte von Erzeugern aus der Region kaufen. Die gibt es z.B. im LebensLaden in der Andreasstraße und Morgenrot im Walkmühlenweg.
  • Auf immersatt.de kannst du dir jede Woche eine Kiste mit Bio-Lebensmitteln nach Hause liefern lassen. Die meisten stammen von Bauern aus Thüringen und erfüllen den Demeter- oder Naturland-Standard.
  • Keine bedrohten Fischarten kaufen. Nicht bedrohte Arten sind mit dem Logo MSC oder Naturland gekennzeichnet.
  • Fische aus heimischen Gewässern sind denen aus den Ozeanen vorzuziehen. Das sind z.B. Ostseesprotte, Karpfen, Regenbogenforelle oder Hering.
  • Eine Plattform für alle Angebote rund um fairen und regionale Produkte und Projekte in Mittelthüringen findest du unter die-fairnetzten.de
  • Warum nicht mal einen Ausflug zum LebensGut Cobstädt machen? Da kannst du dich an Ort und Stelle über nachhaltige Landwirtschaft informieren.