Aufruf für den diesjährigen Flussputz in Erfurt am Samstag, den 18.03.2017

Auch in diesem Jahr wollen wir in Zusammenarbeit mit Naturfreundejugend und Louise genießt – Unverpackte Lebensart die Ufer der Gera wieder vom Müll, der sich dort im Laufe des Winters angesamelt hat befreien. Neben praktischem Umweltschutz setzen wir auch ein politisches Statement und möchten alle Menschen in Erfurt darauf aufmerksam machen, dass die Grünflächen und Gewässer Erfurts keine Müllflächen sind!

Dieses Jahr haben wir uns den Gera-Flutgraben auf Höhe des Schmidtstedter-Knoten, für viele auch bekannt als Veranstaltungsort „Strandgut“ rausgesucht. Wir freuen uns über jede Unterstützung von jung bis alt und klein bis groß!
Für ein Container und genügend Müllbeutel ist gesorgt, wetterfeste Kleidung und Handschuhe sind zu empfehlen!

WIr freuen uns auf euch!

Bericht „Zero-Waste-Workshop“ bei „Louise genießt – Unverpackte Lebensart“

Am Montag, dem 06.03.2017, war die Grüne Jugend Erfurt zu Gast bei „Louise genießt – Unverpackte Lebensart“, dem ersten Unverpackt-Laden in Thüringen. Besitzerin Claudia Schmeißer veranstaltete einen Zero-Waste-Workshop.

Nach einer Vorstellungsrunde, in der jeder seine eigenen Erfahrungen und seinen Wissensstand zu der Thematik „Zero-Waste“ preisgeben konnte, begann der Workshop mit einem kurzen theoretischen Input. Zu Beginn durften wir an einem Quiz teilnehmen und so unser Wissen überprüfen. Fragen wie zum Beispiel „Wie lange dauert der Abbau einer Plastikflasche im Meer?“ (Antwort: 450 (!) Jahre) oder „Wieviel Kilo werden an Lebensmittel pro Kopf im Jahr einfach weggeschmissen?“ (Antwort: 80 kg (zwei volle Einkaufswagen), wovon circa 2/3 vermeidbar wären) waren Teil des Quiz.

„Zero-Waste“ ist ein offenes und dynamisches Thema und meint im allgemeinen den Verzicht auf Verpackungsmaterialien. Dabei steckt hinter dem Begriff eine eigene und achtsame Philosophie eines minimalistischen Lebensstils, bei dem man so natürlich wie möglich lebt. Neben dem Gesundheitsaspekt steht eine Verringerung des Konsums und damit eine Verbesserung der Ökobilanz im Mittelpunkt. Zu beachten sind die fünf Grundprinzipien, die fünf R’s (Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot).

Für eine erfolgreiche Umsetzung sei „die richtige Vorbereitung die halbe Miete“. Um den Lebensstil in den Alltag zu integrieren, ist es nötig Einkäufe und Erledigungen bereits im Voraus ausreichend zu planen. Beispielsweise ist es für den Transport der Einkäufe nötig, die richtigen Gefäße (Gläser oder Stoffbeutel) bei der Hand zu haben. Selbstdisziplin ist bei der Vermeidung von Impulseinkäufen gefordert. Hierbei erstandene Lebensmittel werden oftmals nicht verzehrt und landen letztendlich im Müll. Auch im Alltag sollte man eher auf Mehrwegbecher für Kaffee und Tee und Mehrwegflaschen für Wasser setzen. Viele Cafés sind bereits darauf eingestellt und füllen einem gerne die Getränke in die mitgebrachten Becher ab. Beim Kauf von Kleidung oder elektronischen Geräten empfiehlt sich Secondhand als Zero-Waste-Alternative. Mittlerweile gibt es zahlreiche Plattformen im Internet, auf denen man sicher und einfach Dinge kaufen und verkaufen kann. Durch die Ausnutzung der maximalen Nutzungsdauer von Gebrauchsgütern lässt sich so viel Geld sparen.

Im Anschluss an den Vortrag konnten wir dann selbst aktiv werden. Dabei standen uns drei Stationen mit netten Helfer*innen zur Auswahl. An der ersten Station konnten wir Kosmetikprodukte wie Mundspülung, Körperpeeling oder Trockenshampoo herstellen. Haushaltsprodukte, wie selbstgefaltete Biomülltüten aus Zeitungspapier oder Allzweckreiniger, standen bei Station Nummer Zwei im Mittelpunkt. An der dritten Station konnte man seine Kochkünste unter Beweis stellen und ein Gericht aus Nudeln und Pesto zaubern.

Es war ein sehr informativer und interaktiver Abend, der einem neue Möglichkeiten und Denkanstöße mit auf den Weg gegeben hat. Jedoch sollte man sich vergegenwärtigen, dass eine Umstellung auf „Zero-Waste“ nicht von jetzt auf gleich erfolgen kann. Vielmehr ist es ein Prozess bei dem jeder seinen persönlichen Weg finden muss. Doch jeder kleine Schritt auf diesem Weg ist einer in die richtige Richtung.

 

 

Bericht Informationsveranstaltung über Unverpacktläden mit „Louise genießt – Unverpackte Lebensart“

Am 13.02.2017 lud die Grüne Jugend Erfurt zu einem Informationsabend über das Konzept von Unverpacktläden im Grünenbüro in der Michaelisstraße ein. Als Gast durften wir Claudia Schmeißer, die Besitzerin und Gründerin des ersten Unverpacktladens in Thüringen, namens „Louise genießt – Unverpackte Lebensart“ begrüßen. Ihr Laden befindet sich unweit des Domplatzes im Herzen Erfurts und bietet neben verpackungsfreien Lebensmitteln regionale und saisonale Produkte in Bioqualität.

Wir sprachen in der zweistündigen Veranstaltung über Beweggründe, Schwierigkeiten und Erfahrungen bei der Eröffnung eines Unverpacktladens, die Claudia auf dem Weg zu ihrem Laden und auch noch heute, grob einem ¾ Jahr nach der Eröffnung im Juni letzten Jahres, begleiten.

Nach einer beruflichen Unzufriedenheit und dem generellen Missfallen nach einem großen Familieneinkauf mit dem Zeitaufwand, die gekauften Lebensmittel nochmals aus den Verpackungen zu holen, umzufüllen, zu verstauen und den anfallenden Müll dann noch fachgerecht zu sortieren, entschied Sie sich zur Selbstständigkeit und zur Gründung eines Unverpacktladens. Die nötige Erfahrung zur Gründung eines Lebensmittelladens, bringt sie als Diätassistentin und Kauffrau mit. Sie ist zudem eine Expertin für nachhaltige und gesunde Ernährung.

Claudia hatte auf dem Weg zur Eröffnung ihres Ladens mit einigen Problemen zu kämpfen. Neben finanziellen Unsicherheiten, Ablehnungen für Kredite von Banken sowie Auflagen, die zu erfüllen sind, musste Sie anfangs einige Hürden meistern. Alleine die Einrichtung mit Regalen, die die besonderen Schütt- und Röhrensysteme benötigen, das Kassensystem und die Kontakte zu entsprechenden Lieferanten für regionale, nachhaltige und biologische Produkte waren eine finanzielle und organisatorische Herausforderung. Ermöglichen konnte Sie dies letztendlich durch Crowdfounding und einem Darlehn. Das größte Problem ist es jedoch in Thüringen an Bioprodukte aus der Region zu kommen. Da es in Thüringen sehr wenige unabhängige Biomilchbauern gibt, stellt der Bezug von Milch und Milchprodukten ein besonderes Problem dar. Claudia ist es dennoch sehr wichtig mit kleinen Anbietern zusammenzuarbeiten. Großhändler, die die Preise auf dem Markt bestimmen, will Sie auch in Zukunft meiden.

„Louise genießt“ hat sich gut in die Ladenlandschaft in Erfurt eingebunden, hat bereits einen kleinen festen Kundenstamm, mit Kunden allen Alters und quer Beet durch die Gesellschaft. Der Laden fungiert ebenfalls als Treffpunkt, bei dem man ins Gespräch kommen oder einen Kaffee in netter Gesellschaft trinken kann. Claudia ist dabei der Kundenkontakt, die Beratung und Unterstützung beim Einkauf der Kunden sehr wichtig. Neue Kunden haben oftmals eine Hemmschwelle, die Behältnisse für die unverpackten Lebensmittel und Hygieneartikel zu nutzen, die es zu überwinden gilt. Claudia erzählte dazu, dass der Einkauf eine gewisse Planung und Gliederung in den Alltag der Kunden braucht. Die Produktpalette ist auf ihrer Internetseite einzusehen und erleichtert so das Planen des Einkaufes. Anders als bei herkömmlichen Supermärkten, haben die Kunden die Freiheit ihre Gefäße mit in das Geschäft zu bringen und beispielsweise ihre Zucker- oder Mehldosen in der gewünschten Menge zu befüllen bzw. wieder aufzufüllen. So ist es den Kunden möglich, neue Produkte in kleinen Mengen zu kosten und dabei neben der Rücksichtnahme auf die Umwelt viel Geld zu sparen, ohne gleich eine ganze Packung kaufen zu müssen. Natürlich ist es Claudia bei der Belieferung ihrer Produkte nicht möglich, komplett auf Verpackungsmaterialien auf Plastikbasis zu verzichten, jedoch versucht sie diese Ausnahmen so gering wie möglich zu halten. Die Mehrzahl der Produkte kommt deswegen in großen Gebinden oder Kanistern.

Neben der Leitung ihres Ladens ist Claudia sehr engagiert und setzt sich etwa für den Kampf gegen Coffee-to-go in Pappbechern ein. Sie wünscht sich für die nahe Zukunft, diese Initiative in Erfurt umzusetzen. Ebenfalls wünscht Sie sich Unterstützung, Förderung und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, denn sie ist sich sicher, dass durch solche öffentlichen Kampanien Informationen gezielter bei dem Endverbraucher ankommen und man so, durch das veränderte Kaufverhalten von Kunden auch den Einzelhandel dazu bringen kann, auf unnötige Verpackungen zu verzichten. Zudem wäre die Unterstützung bei Aktionen und Veranstaltung gegen einen hohen Müllverbrauch und für den Umweltschutz seitens der Politik wünschenswert.

Wir unterstützen Claudia bei Ihren Forderungen und freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit ihr und ihren Unterstützer*innen.

Am 06.03.2017 ist die Grüne Jugend Erfurt selbst Gast bei Claudia in „Louise genießt“ und wird dort einen Zero-Waste-Workshop besuchen.

Bericht über Dialog zum geplanten Moscheebau der Ahmadiyya Gemeinde

Am Montag den 09.01.2017 lud die Grüne Jugend Erfurt zum politischen Dialog in kleiner Runde zum geplanten Moscheebau der Ahmadiyya Gemeinde in Erfurt-Marbach. Als Gesprächspartner waren der Sprecher der Ahmadiyya Gemeinde Erfurt, Suleman Malik und die Landtagsabgeordnete und Stadträtin von Bündnis ‘90/Die Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, eingeladen.

Im ersten Teil der Veranstaltung stellten die beiden Gäste den aktuellen Stand der Planung der Moschee dar und gingen auch auf die aktuelle gesellschaftliche Diskussion ein.

Die Ahmadiyya Gemeinde bemüht sich seit Sommer 2016 um den Bau einer Moschee in Erfurt, die als kultureller und religiöser Begegnungsort in ganz Thüringen fungieren soll. Geplant ist der Bau einer kleinen Moschee mit Zierminarett, Parkplätzen sowie einen dazugehörigen öffentlichen Platz, der beispielsweise als Spielplatz für die gesamte Bevölkerung genutzt werden soll. Ein Grundstück wurde dafür in Erfurt-Marbach gefunden. Finanziert wird der Bau allein durch Spenden ihrer Mitglieder in Deutschland. Leider hat sich seit der Veröffentlichung der ersten Bauvoranfrage die Stimmung in Marbach sowie thüringenweit zum bevorstehenden Moscheebau verschlechtert. Neben der AfD gibt es auch andere Gruppierungen wie „Bürger für Erfurt“, die Stimmung gegen den Moscheebau in Erfurt machen, berichtete Astrid Rothe-Beinlich, die selbst in Marbach lebt und so die Stimmung direkt vor Ort miterleben konnte. Moscheegegner starteten eine Petition gegen den Moscheebau und sammelten so viele Unterschriften, dass diesbezüglich am 24.01.17 im Thüringer Landtag eine Anhörung stattfindet.

Suleman Malik stand uns Rede und Antwort und beantwortete Fragen zum Thema des Moscheebaus. Er berichtete von persönlichen Drohungen in sozialen Netzwerken, aber auch von der vielen Unterstützung für den Moscheebau seitens der Stadt, Verbänden und Organisationen, er sei sehr zuversichtlich, dass bald der offizielle Bauantrag gestellt werden könnte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es darum, die Ahmadiyya Gemeinschaft etwas näher kennenzulernen. Herr Malik ging kurz auf die Geschichte und den Unterschied zwischen der Ahmadiyya Gemeinschaft und anderen islamischen Verbänden ein. In der anschließenden Diskussion wurden dann auch Themen wie die Stellung der Frau in der Gemeinschaft, dem Umgang mit Homosexuellen und anderen gesellschaftliche Fragen behandelt.

Die Ahmadiyya Gemeinde ist eine von über 70 unterschiedlichen Gruppierungen des Islams und zählt zu einer Reformbewegung, weshalb viele Muslime die Ahmadiyya-Lehre nicht anerkennen und Mitglieder dieser Gemeinde in einigen islamischen Ländern verfolgt werden. Sie ist eine rein religiöse Gemeinde und ist strikt für die Trennung von Religion und Staat. Sie setzt sich zudem stark gegen Terror in Namen der Religion und für die Flüchtlingsarbeit in Deutschland ein. Sie sehen sich als wertkonservative Gemeinschaft, jedoch ist die Ahmadiyya Gemeinde im Vergleich zu anderen Gruppierungen des Isams als gesellschaftlich liberal einzuordnen.

Fazit des interessanten Abends: Ein Moscheebau in Erfurt würde ein Zeichen setzen für eine weltoffene und bunte Stadt und darüber hinaus.

Bericht Flutgrabenputz

Am Samstagnachmittag veranstalteten wir unseren jährlichen Flussputz am Boyneburgufer. Das Wetter spielte gut mit, es war trocken und die Sonne schien. Wir waren schnell eine große Truppe Freiwilliger und machten die Ufer unsicher. Neben dem erwartbarem Müll aus Verpackungen und Glas die unachtsam in der Uferböschung entsorgt worden waren, entdeckten wir im Flutgraben allerhand Kurioses: unzählige Autoreifen, Paletten, alten Metallschrott, Verkehrsschilder und ein Fahrrad. Auch die Menge war enorm, so dass wir am Ende tatsächlich den großen Container fast komplett gefüllt hatten. Besonderer Dank gilt dem italienischen Restaurant am Flußgraben, das den Helfer*innen spontan eine Portion Pasta spendiert hat. Vielen Dank an alle Teilnehmenden